Stottern entsteht nicht durch Nervosität, und es verschwindet nicht durch gutes Zureden. Es hat neurobiologische Ursachen und das zu wissen, nimmt Betroffenen und Angehörigen einen Teil der Last.
Wir arbeiten am Sprechen selbst und daran, wie Du oder Dein Kind mit schwierigen Situationen umgeht. Denn oft belastet nicht das Stottern am meisten, sondern die Angst davor.

„Ich habe jahrelang Wörter umgangen, bei denen ich hängenbleibe. Daran haben wir gearbeitet — nicht nur am Sprechen, sondern am Ausweichen. Telefonieren fällt mir immer noch nicht leicht. Aber ich mache es wieder."
— Peter, 34 Jahre alt
Am Anfang steht eine ausführliche Diagnostik: Wie und wann tritt das Stottern auf, was verstärkt es, was erleichtert? Auch die Frage, wie sehr es belastet, gehört dazu — sie ist oft wichtiger als die reine Häufigkeit.
Bei jüngeren Kindern arbeiten wir stark über die Eltern und das Umfeld. Bei älteren Kindern und Erwachsenen kommen Sprechtechniken dazu, und wir üben, in schwierigen Situationen handlungsfähig zu bleiben statt auszuweichen.
Was wir nicht tun: so tun, als wäre Stottern einfach abstellbar. Realistische Ziele sind der bessere Weg — flüssiger sprechen zu können und gleichzeitig weniger Angst vor dem Stottern zu haben.
„Bei uns hieß es immer, das gibt sich von allein. Hier wurde uns erklärt, worauf wir achten sollen und wann Abwarten sinnvoll ist und wann nicht. Dass wir eine klare Antwort bekommen haben, war die größte Erleichterung."
— Eltern von Timmy, 5 Jahre alt
Beim Stottern stockt der Redefluss: Laute werden wiederholt, gedehnt oder blockiert, oft verbunden mit Anspannung. Beim Poltern ist das Sprechen sehr schnell und unregelmäßig, Silben verschmelzen oder fallen weg – die Verständlichkeit leidet, obwohl der Sprechfluss nicht blockiert ist. Beides wird logopädisch behandelt, aber unterschiedlich.
Zwischen etwa zwei und fünf Jahren durchlaufen viele Kinder eine Phase mit Unflüssigkeiten, während die Sprache schneller wächst als die Sprechmotorik. Vieles davon vergeht wieder. Aufmerksam werden solltest Du, wenn es länger als etwa sechs Monate anhält, sich verstärkt, mit sichtbarer Anspannung einhergeht oder Dein Kind anfängt, das Sprechen zu vermeiden.
Sobald Zweifel bestehen. Früh begonnene Therapie hat bei Kindern besonders gute Aussichten, und ein Beratungstermin verpflichtet zu nichts. Auch für Jugendliche und Erwachsene ist es nie zu spät – hier steht neben dem Sprechen selbst der Umgang mit belastenden Situationen im Mittelpunkt.
Bei jungen Kindern kann Stottern unter Therapie vollständig zurückgehen. Bei älteren Kindern und Erwachsenen ist das seltener; hier geht es darum, flüssiger und mit weniger Anspannung zu sprechen, Vermeidung abzubauen und die eigene Sprechsicherheit zurückzugewinnen. Was in Deinem Fall realistisch ist, besprechen wir offen nach der Diagnostik.
Zuhören, nicht unterbrechen, Sätze nicht zu Ende sprechen und keine Ratschläge wie „sprich langsamer“ geben – das erhöht meist nur den Druck. Halte den Blickkontakt, gib Zeit und reagiere auf das, was gesagt wird, nicht auf das Wie.
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